Sonntag, 25. März 2012

Prometheus

Chum spil doch mit dim Himmel Zeus,

las Wulche cho!

Und üeb, Buebe glich,

wo Ameise verschluckend,

a Wälder dich und Bergä!

Musch mer mini Erde,

dch laa sta,

und mini Hütte,

wo du nöd baut häsch,

und min Herd,

um däm sini Gluet

du mich benidisch.


Ich känne nüt Ärmers

Unter dä Sunne als eu Götter.

Ihr läbend,

vo Opferstür

und Gebät,

rächtfertigend so eure Stand

und liidet, gäbts

kei Chindä und Bättler

hoffnigsvolli Dummchöpf.


Wo ich äs Chind gsi bin,

nöd gwüsst, wo us, wo ii,

han i min Blick zur Sunne gwändet,

wie wänns drüber

es Ohr hett, wo mini Klag alost,

es Herz wie mis,

wo sich em Bedränte erbarmt.


Wer hät mir gholfe

gäg d Willkür?

Wer mich vom Tod grettet

Und vo Sklaverei?

Häsch nöd alles sälber volländet,

heiligs Herz?

Und häsch glüet, jung und gut,

und jetzt Rettigsdank

a dä Schlafendi da obe?


Ich dich ehre? Für was?

Häsch du d Schmerze je glinderet

Vo me Beladäne?

Häsch je d Träne gstillt

Vo eim wo Angst hät?


Hät nöd mich zu me Maa gmacht

Die allmchtige Ziit

Und s ewig Schicksal

Wo mini und au dini Herre sind?


Häsch öppe gseit,

Ich söll s Läbe hasse,

id Wüesti flüchte,

will nöd alli

Buebeträum wahr werdend?


Da sitze ich, forme mensche

Nach mim Bild,

es Gschlächt, wo mir glich,

liidet, brüelet,

gnüsst und sich freut,

und dich nöd achtet,

wie ich.

Montag, 12. März 2012

7. Dezember

Ich kann nicht begreifen, weshalb Lottes Anwesenheit für dich von solcher Wichtigkeit ist. Werther, ich bitte dich, weise das Gift zurück. Was dich zu ihr drängt ist nicht länger Liebe, vielmehr ist es ein - mir unergründlicher - Wunsch nach Schmerzen.

Du erzähltest mir in vielen deiner Briefe mit grosser Hingabe von den Schicksalen junger Menschen - Die Geschichte des Mädchens, das sich aus Not ihres Herzens in den Abgrund gestürzt hatte, stimmte mich besonders betroffen – denen es nicht vergönnt war ihr Glück im Diesseits zu finden. Liebster, wie kannst du dich nur in derselben Lage wie diese Unglücklichen glauben. Sie alle begingen unbesonnene Taten, weil sie glaubten dadurch ihrem Herzen Linderung zu verschaffen, doch waren diese Taten nur möglich, weil diese Unglücklichen mit ihren Leiden völlig alleine waren. Bester Freund, ich stehe dir zur Seite. Ich teile die Liebe zu Lotte mit dir, fasse mir ans Herz bei jedem Lächeln, das sie dir zuwirft, fühle den Schmerz bei jeder Berührung, die du nicht erwidern darfst. Werther, ich teile dein Leid mit dir, darum bitte ich dich gib dich nicht auf, denn dein Tod wäre auch meiner. Wende dich von diesem Unmut ab, kuriere deine Seele, auf dass sie wieder erblühe!

Sonntag, 4. März 2012

27. Julius

Dein Brief, mein Freund, hat mich in einen Zustand tiefster Verwirrung gestürzt. Es stimmt mich sehr traurig, dich in dieser schwierigen Lage zu wissen. Deine Angelegenheit ist nicht die meine, doch drängt mich mein Herz – Gott weiss warum - dich zu beraten. Die Gegenwart dieser Lotten tat deinem Befinden gut, doch nun glaubst du dich schwach, der Verführung unterlegen. Bester Freund, ich denke, der Versuchung nachzugeben, ist weit weniger schlimm, als die Sehnsüchte des Herzens zu ignorieren. Es freut mich, dass du deine Lotte besuchst, wenn du den innigen Wunsch verspürst, sie zu sehen, nur befreie deine Seele von den Schuldgedanken. Das einzige, was mir mein Herz erschwert - O Werther, wie kann es dir nur so gleichgültig sein - ist die Verlobung. Der Bräutigam wird bald von seiner Reise zurück sein. Ich hoffe, dass du durch dessen Rückkehr nicht dem süssen Geruch der Melancholie verfällst und dich deine Hingabe und Liebe schliesslich zugrunde richtet.


Mir fiel das Schreiben dieses Briefes schwer, da ich der Meinung bin, dass Wilhelm ihn nicht beantwortet hat und erst auf den nächsten reagierte.