Montag, 9. April 2012

„Gestanden hab ich euren Anschlag und meine Seele vom Verrat gerettet.“ Diese Worte richtet Iphigenie an Orest, nachdem sie bei Thoas war. Doch hat sich Iphigenie durch das Geständnis bei Thoas tatsächlich vom Verrat befreit?

Iphigenie fiel es von Anfang an schwer, Thoas, in dessen Schuld sie sich wähnte, zu belügen, obwohl Iphigenie ihm gegenüber keinerlei Verpflichtungen hatte. Das schlechte Gefühl, von dem sie gequält wurde, während sie Thoas belog, rührte vielmehr daher, dass sie Sympathien für den König hegte. Immer wieder bezeichnete sie ihn als Vater. Doch als Thoas Iphigenie dazu aufforderte, seine Frau zu werden, hätte sie allen Grund gehabt die Sympathien und somit auch das väterliche Verhältnis zu Thoas aufzugeben. Deshalb stellt sich die Frage, ob Iphigenie Thoas überhaupt verraten konnte, indem sie ihm mit Hilfe ihres Bruders und dessen Freund eine Falle stellte. Denn Thoas hatte durch seine unangebrachte Forderung nicht nur das Verhältnis zu Iphigenie gestört, er besass auch noch die Frechheit, sie zu bestrafen. Nur die Gutherzigkeit und Dankbarkeit Iphigenies führten dazu, dass sie Thoas trotz all seiner Übeltaten nicht reinen Gewissens hintergehen konnte. Dabei blendete sie völlig aus, dass sie durch ein Geständnis bei Thoas den Bruder verraten würde. Somit befreite Iphigenie ihre Seele nicht vom Verrat, im Gegenteil, sie belastete sie damit.

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