Montag, 9. April 2012

„Gestanden hab ich euren Anschlag und meine Seele vom Verrat gerettet.“ Diese Worte richtet Iphigenie an Orest, nachdem sie bei Thoas war. Doch hat sich Iphigenie durch das Geständnis bei Thoas tatsächlich vom Verrat befreit?

Iphigenie fiel es von Anfang an schwer, Thoas, in dessen Schuld sie sich wähnte, zu belügen, obwohl Iphigenie ihm gegenüber keinerlei Verpflichtungen hatte. Das schlechte Gefühl, von dem sie gequält wurde, während sie Thoas belog, rührte vielmehr daher, dass sie Sympathien für den König hegte. Immer wieder bezeichnete sie ihn als Vater. Doch als Thoas Iphigenie dazu aufforderte, seine Frau zu werden, hätte sie allen Grund gehabt die Sympathien und somit auch das väterliche Verhältnis zu Thoas aufzugeben. Deshalb stellt sich die Frage, ob Iphigenie Thoas überhaupt verraten konnte, indem sie ihm mit Hilfe ihres Bruders und dessen Freund eine Falle stellte. Denn Thoas hatte durch seine unangebrachte Forderung nicht nur das Verhältnis zu Iphigenie gestört, er besass auch noch die Frechheit, sie zu bestrafen. Nur die Gutherzigkeit und Dankbarkeit Iphigenies führten dazu, dass sie Thoas trotz all seiner Übeltaten nicht reinen Gewissens hintergehen konnte. Dabei blendete sie völlig aus, dass sie durch ein Geständnis bei Thoas den Bruder verraten würde. Somit befreite Iphigenie ihre Seele nicht vom Verrat, im Gegenteil, sie belastete sie damit.

Sonntag, 1. April 2012

Ich hatte eigentlich keine Vorstellung davon, wie die Lesung ablaufen würde, da ich weder den Autor noch eines seiner Werke kannte. Obwohl ich nichts Bestimmtes erwartet hatte, war ich völlig überrascht von der Lesung. Zuerst dachte ich, dass die Überraschung so gross war, weil die Lesung besonders viel Spass machte, denn der Autor Christian von Aster ist ein sehr redegewandter Mann. Mit Hilfe von Gesten und Mimik schafft er es, seinen Geschichten Leben einzuhauchen. Auch seine Erzählungen - witzige Kurzgeschichten und Märchen - trugen dazu bei, dass ich an der Lesung Gefallen fand. Doch glaube ich nicht, dass dies der einzige Grund für meine Überraschung war, denn irgendwie liess mich das Gefühl nicht los, dass diese Lesung gar keine Lesung war. Für mich geht es in einer Lesung darum, dass ein Autor sein Werk vorstellt, es dem Publikum schmackhaft macht oder auch Fragen dazu beantwortet. Die Vorstellung von Christian von Aster empfand ich eher als Märchenstunde für Erwachsene, denn sie war zwar sehr unterhaltsam, warf aber keine Fragen auf. Was mich wahrscheinlich auch irritierte, ist, dass Herr von Aster sich in einigen seiner Geschichten einer altertümlichen märchentypischen Sprache bedient. Eben diese Sprache anonymisiert seine Texte und hatte auf mich den Effekt, als stünde ein Schauspieler vor mir, der Geschichten vorträgt.