Sonntag, 28. März 2010

Iphigenie auf Tauris

„Seele“

Ich weiss nicht warum, aber dieses Wort war mir von dem Tag an, als ich es zum ersten Mal hörte unsympathisch. Seele - alle Menschen glauben fest an sie und sind sich sicher, dass jeder Mensch eine besitzt. Viele glauben sogar, dass man sie bedingungslos vom Körper trennen muss, wobei der Körper den minderwertigeren und vergänglichen Teil darstellt. Ich konnte und kann diesen Behauptungen keinen Glauben schenken. Selbst wenn es eine Seele gäbe, könnte ich nicht nachvollziehen, wie der Körper so schlecht dargestellt werden kann. Schliesslich ist die Seele ein Teil des Körpers und der Körper ein Teil der Seele, sie leben in einem symbiotischen Verhältnis. Auch wenn sie nicht zusammen leben würden, könnten sie existieren, sie würden jedoch stark an Effizienz einbüssen oder gar ihre Funktion ändern. Eine solche Situation wäre vergleichbar mit einem Raubtier, dem man Zähne und Krallen abgeschnitten hat: Das Tier wäre immer noch ein Tier, nur müsste es seine wichtigste Funktion aufgeben. Die Zähne und Krallen wären immer noch klar als solche erkennbar, doch funktionstechnisch gesehen absolut unbrauchbar. Ich persönlich bin der Meinung, dass es den Körper und die Psyche gibt. Das mag jetzt so klingen, als gäbe ich der Seele nur einen anderen Namen, doch für mich ist die Psyche tatsächlich etwas anderes als die Seele. Während viele glauben, dass die Seele ewig existiert, stirbt die Psyche mit dem Körper. Die Psyche und der Körper stehen in einem viel engeren Verhältnis zueinander als der Körper zur Seele. Erst Körper und Psyche ergeben ein Wesen, es ist den beiden unmöglich eigenständig zu funktionieren.

Freitag, 26. März 2010

Ich hasse mein Heulen, mein Lachen, ich hasse jede Gefühlsregung, die ich zeige. Ich hasse sie, denn sie sind so falsch wie all meine hundert Gesichter. Das Schlimme ist nicht, dass ich so viele Gesichter besitze und meine Gefühle ab und zu nichts als gestellt sind, das Schlimme ist, dass ich selbst vergessen habe, welches mein wahres Gesicht ist. Ich fühle noch nicht einmal, welches Lachen das gefälschte ist, welches das richtige. Alles ist gleich, mein Weinen, hört sich an wie mein Lachen. Ich wünsche mir so sehr, aus dieser Identitätskrise herauszukommen. Manchmal, wenn ich Zeit zum Nachdenken habe, schaue ich zurück und frage mich, ob ich jemals gewusst habe, wer ich bin, oder ob es damals einfach egal war. Dann kommt natürlich auch die Frage nach der Zukunft auf. Werde ich diese Krise ein Leben lang mit mir herumschleppen oder ist dann plötzlich wieder alles egal? Ich glaube, wenn ich erwachsen werde, dann höre ich auf, so viele Fragen zu stellen. Wahrscheinlich werde ich einer dieser gleichgültigen Menschen, bei denen die Sinne müde sind, das Herz träge ist, der Geist erstarrt, diese Sorte Menschen die innerlich abgestorben scheinen. Ich frage mich nur, welche Rolle besser ist, die des Peinigers oder die des Opfers, denn schliesslich ist es nicht das grösste Übel, unseren Mitmenschen zu hassen, sondern ihnen gegenüber gleichgültig zu sein. Aber momentan fühle ich definitiv noch genug, und ich denke immer zu daran, ob es möglich ist, dass jeder Mensch diese Verwandlung durchmacht. Sicherlich ist diese Verwandlung bei jedem Menschen verschieden stark ausgeprägt. Auch wenn diese Gleichgültigkeit sehr befreiend und auch natürlich scheint, traue ich ihr nicht, es kann doch nicht möglich sein, dass ein Mensch nie das Bedürfnis hat zu fragen und mit nichts und niemandem Mitleid hat. Ich habe Angst davor, so zu werden. Lieber bin ich ein undefinierbares Etwas als ein kaltes, vor sich hin siechendes, genau definiertes Nichts.

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen ich absolut frei von Gedanken bin, frei von den vielen Stimmen in mir und trotzdem halte ich diese Tage nicht aus. Meine Nerven sind wie betäubt, die Farben verblassen, sogar die Nahsinne meiner Haut und meines Geschmacks scheinen abgeschaltet, die Welt erscheint mir wie hinter einem Milchglas. Ich fühle mich gefangen, der eine Teil meines Geistes ist hellwach, er will raus, doch der andere zieht mich nach unten, wie ein Stein an dem Fuss eines Schwimmenden. Auch wenn ich weiss, dass ich untergehen werde, versuche ich zu schwimmen, denn so lange ich dies tue, kann ich mir sicher sein, dass ich mich noch nicht verwandelt habe. Oder waren dies schon die ersten Anzeichen der Veränderung? Ich paddle mit aller Kraft, doch es nützt nichts, ich komme nicht mehr hoch und während ich tiefer und tiefer sinke, verklingen die Worte der anderen im Hintergrund. Kaum etwas dringt noch in mein Sinnenfeld, noch nie habe ich diesen Kampf so intensiv erlebt, als wäre er real. In letzter Zeit kamen diese sonderbaren Tage in immer kürzeren Abständen und ich bin mir nun sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es nur noch solche Tage in meinem Leben gibt. Mein Denken beginnt sich auch schon zu verändern es giert nicht mehr nach Wissen es will sich nur noch erholen, es funktioniert nicht mehr. Doch bei meinem Empfinden ist die Verwandlung am meisten fortgeschritten, ich fühle wie die Gleichgültigkeit meine Beine hochzieht und wie alles was mit ihr in Kontakt kam am verderben ist. Gestern musste ich feststellen, dass es nur noch wenige Tage dauern kann bis sie auch mich erreicht hat, ich habe Angst, Angst davor, dass zu werden was ich verabscheue und verurteile.

Auch zehn Tage später bin ich noch am Leben und finde es einfach unglaublich, dass ich diese Texte tatsächlich geschrieben habe. Ganz ehrlich mir geht es gut genauso gut wie vor meiner Verwandlungstheorie, ja Menschen ändern sich aber nicht von einem Tag auf den anderen und erstrecht nicht gegen ihren eigenen Willen. Hätte ich von Anfang an einen gesunden Menschenverstand besessen so wäre ich nie dazu gekommen, solch wirre Dinge aufzuschreiben, was eigentlich ganz lustig war.

Donnerstag, 25. März 2010

Verwandlung?

Ich hasse mein Heulen, mein Lachen, ich hasse jede Gefühlsregung, die ich zeige. Ich hasse sie, denn sie sind so falsch wie all meine hundert Gesichter. Das Schlimme ist nicht, dass ich so viele Gesichter besitze und meine Gefühle ab und zu nichts als gestellt sind, das Schlimme ist, dass ich selbst vergessen habe, welches mein wahres Gesicht ist. Ich fühle noch nicht einmal, welches Lachen das gefälschte ist, welches das richtige. Alles ist gleich, mein Weinen, hört sich an wie mein Lachen. Ich wünsche mir so sehr, aus dieser Identitätskrise herauszukommen. Manchmal, wenn ich Zeit zum Nachdenken habe, schaue ich zurück und frage mich, ob ich jemals gewusst habe, wer ich bin, oder ob es damals einfach egal war. Dann kommt natürlich auch die Frage nach der Zukunft auf. Werde ich diese Krise ein Leben lang mit mir herumschleppen oder ist dann plötzlich wieder alles egal? Ich glaube, wenn ich erwachsen werde, dann höre ich auf, so viele Fragen zu stellen. Wahrscheinlich werde ich einer dieser gleichgültigen Menschen, bei denen die Sinne müde sind, das Herz träge ist, der Geist erstarrt, diese Sorte Menschen die innerlich abgestorben scheinen. Ich frage mich nur, welche Rolle besser ist, die des Peinigers oder die des Opfers, denn schliesslich ist es nicht das grösste Übel, unseren Mitmenschen zu hassen, sondern ihnen gegenüber gleichgültig zu sein. Aber momentan fühle ich definitiv noch genug, und ich denke immer zu daran, ob es möglich ist, dass jeder Mensch diese Verwandlung durchmacht. Sicherlich ist diese Verwandlung bei jedem Menschen verschieden stark ausgeprägt. Auch wenn diese Gleichgültigkeit sehr befreiend und auch natürlich scheint, traue ich ihr nicht, es kann doch nicht möglich sein, dass ein Mensch nie das Bedürfnis hat zu fragen und mit nichts und niemandem Mitleid hat. Ich habe Angst davor, so zu werden. Lieber bin ich ein undefinierbares Etwas als ein kaltes, vor sich hin siechendes, genau definiertes Nichts.

Heute ist wieder einer dieser Tage, an denen ich absolut frei von Gedanken bin, frei von den vielen Stimmen in mir und trotzdem halte ich diese Tage nicht aus. Meine Nerven sind wie betäubt, die Farben verblassen, sogar die Nahsinne meiner Haut und meines Geschmacks scheinen abgeschaltet, die Welt erscheint mir wie hinter einem Milchglas. Ich fühle mich gefangen, der eine Teil meines Geistes ist hellwach, er will raus, doch der andere zieht mich nach unten, wie ein Stein an dem Fuss eines Schwimmenden. Auch wenn ich weiss, dass ich untergehen werde, versuche ich zu schwimmen, denn so lange ich dies tue, kann ich mir sicher sein, dass ich mich noch nicht verwandelt habe. Oder waren dies schon die ersten Anzeichen der Veränderung? Ich paddle mit aller Kraft, doch es nützt nichts, ich komme nicht mehr hoch und während ich tiefer und tiefer sinke, verklingen die Worte der anderen im Hintergrund. Kaum etwas dringt noch in mein Sinnenfeld, noch nie habe ich diesen Kampf so intensiv erlebt, als wäre er real. In letzter Zeit kamen diese sonderbaren Tage in immer kürzeren Abständen und ich bin mir nun sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es nur noch solche Tage in meinem Leben gibt. Mein Denken beginnt sich auch schon zu verändern es giert nicht mehr nach Wissen es will sich nur noch erholen, es funktioniert nicht mehr. Doch bei meinem Empfinden ist die Verwandlung am meisten fortgeschritten, ich fühle wie die Gleichgültigkeit meine Beine hochzieht und wie alles was mit ihr in Kontakt kam am verderben ist. Gestern musste ich feststellen, dass es nur noch wenige Tage dauern kann bis sie auch mich erreicht hat, ich habe Angst, Angst davor, dass zu werden was ich verabscheue und verurteile.

Auch zehn Tage später bin ich noch am Leben und finde es einfach unglaublich, dass ich diese Texte tatsächlich geschrieben habe. Ganz ehrlich mir geht es gut genauso gut wie vor meiner Verwandlungstheorie, ja Menschen ändern sich aber nicht von einem Tag auf den anderen und erstrecht nicht gegen ihren eigenen Willen. Hätte ich von Anfang an einen gesunden Menschenverstand besessen so wäre ich nie dazu gekommen, solch wirre Dinge aufzuschreiben, was eigentlich ganz lustig war.

Samstag, 6. März 2010

Axolotl roadkill


Nach dem Lesen einiger Seiten war ich etwas irritiert, da die Autorin nichts Konkretes schrieb und ihre, respektive die Gedanken der Protagonistin nie zu Ende führte. Ich hoffte, dies würde sich im Laufe der Geschichte ändern, dem war leider nicht so. Mir ist natürlich klar, dass Helene Hegemann mit dieser verschwommenen Darstellung von Miftis Leben unterstreichen wollte, in welchem Zustand sich die Protagonistin befindet. Meiner Meinung nach hat sie damit ein wenig übertrieben, denn es gibt so gut wie keine Szene in der die Hauptdarstellerin sich klar ausdrückt. Weil die Autorin den Leser in Unwissenheit baumeln lässt und auch keine grossartige Geschichte erzählt, verging mir die Lust am Lesen schon bald.

Des Weiteren ist mir der Schreibstil der Autorin aufgefallen, der einerseits sehr intelligent und gleichzeitig vulgär ist. Im Grossen und Ganzen finde ich ihre Sprache gut, jedoch wirkt die Geschichte gerade der Sprache wegen auf mich unglaubwürdig, denn ich gehe nicht davon aus, dass eine 16jährige, die Drogen nimmt und gegen die high society rebelliert, nur so mit Fremdwörtern um sich wirft.

Mit ihrem Buch behandelt Hegemann ein interessantes sowie aktuelles Thema. Mir persönlich hätte es mehr zugesagt, wenn sich Hegemann nicht ganz so stark auf das Thema Drogen konzentriert hätte und stattdessen die familiären Verhältnisse und die Beziehungen der einzelnen Mitglieder untereinander genauer geschildert hätte, denn diese sind ja sozusagen der Ursprung für Miftis Wohlstandsverwahrlosung.